erste Performance

Ort: in einer stillgelegten JVA (Magdeburg)

Auftreten im Rahmen des Festivals “Neue Sinnlichkeit”, 2017

Kunstfigur “Sinnlichkeit”

Entwickelt wurde die Kunstfigur “Sinnlichkeit” während meines Studiums in der von Sarah Schwienbacher angeleiteten Kunstfigurengruppe der HKS Ottersberg.

An verschiedenen Tagen wurde die Performance wiederholt und zur Abschlusspräsentation der freien künstlerischen Semester baute ich eine thematisch zusammenhängende begehbare Installation. Der enge Raum war mit schwarzen Plastikfolien verdunkelt und eine Audioaufzeichnung mit der Stimme von “Sinnlichkeit” wurde abgespielt. Hierdurch wurde erzeugt, dass der Betrachter der Installation selber in die Rolle der Kunstfigur schlüpfen konnte.

zweite Performance

Ort: Hochschule für Künste im Sozialen, Ottersberg,

Auftreten im Rahmen der Hochschule beim Tag der offenen Tür, 2017

Performance HKS Ottersberg, Abschlusspräsentation, 2017

Performance HKS Ottersberg, Abschlusspräsentation, 2017

Aus der Perspektive von “Sinnlichkeit”:

“Ich bin umhüllt von einer schwarzen Plastikfolie. Kann meine Arme nicht und meine Beine schwerlich bewegen. Ich bin blind und barfuß. Ganz sensibel auf äußere Reize.

Ich lebe von Berührungen und bitte die Menschen um mich herum mich anzufassen. Nehme meinen Umraum durch meinen Körper wahr. Intensiv und befreit durchlebe ich Momente der eigenmächtigen Beschränkung.

Ich atme, nehme meinen Atem wahr.

Ein, aus.

Befreien kann ich mich nur selber. Habe ich genug durchlebt, löst sich meine Folie und ich kann meine Arme wieder bewegen und mich aus der Folie befreien.

Dieser Moment ist wie eine neue Geburt.

Ich bin.

Frei.”

Positionierung zu Sinnlichkeit
Die Kunstfigur behandelt verschiedenen Aspekte von Sinnlichkeit und die dadurch angeregten Themen.
Wie Immanuel Kant in der „Transzendentalen Ästhetik“ beschreibt, kann Sinnlichkeit als Quelle für Erkenntnisse dienen. Er beschreibt Sinnlichkeit als Fähigkeit, mittels eines Sinnesapparates durch Empfindungen von Gegenständen angesprochen und angeregt zu werden.
Eine sinnliche Erfahrung, kann somit das Innen und Außen eines jeden Selbst verbinden. Meine Definition von Sinnlichkeit ist stark von dem eigenen Erleben in der Kunstfigur geprägt. Sinnlichkeit bedeutet für mich, eine Genuss- und Lustvolle Erfahrung zu machen. Zudem ist Sinnlichkeit für mich stark an eine Intensivierung von Reizen durch die Abwesenheit des Sehsinnes gekoppelt.
Themen
Das gezielte ausloten von Grenzen ist Teil und Thema der Arbeit. Körperliche und gesellschaftlich implizierte Grenzen werden behandelt und reflektiert. Die Figur bewegt sich zwischen Polaritäten der gesellschaftlichen Normen und menschlichen Trieben. Sie verbindet die Fantasie und Akzeptanz der Gesellschaft, wie eine Brücke miteinander.
„Sinnlichkeits“ Auftreten impliziert Themen der Erotik. Auch hier werden Grenzen angesprochen. Die Figur bewegt sich zwischen lustvoller Sanftheit und Gewalt. Tabus werden durch das Auftreten der Kunstfigur angesprochen. Sexualität und Aggression, aber auch eine sinnliche Weiblichkeit bekommen ihren Raum zur Entfaltung. Es geht um die Rolle der Frau. Emanzipation. Ihre Rolle in Beziehung zur Welt und im Miteinander.
Die Einschränkung durch die Kostümierung ist bewusst gewählt. Die Kunstfigur „Sinnlichkeit“ kann sich kaum bewegen, ist aber in ihrem Tun und Denken komplett frei. Diese Polarität ist entscheidendes Merkmal der Figur. Anfangs ist es ihr nicht möglich, sich aus dem Kostüm selbst zu befreien. Doch mit der Zeit, durch die ansteigende Feuchtigkeit innerhalb der Folie, wird es möglich Arme frei zu bewegen und den Rest der Kostümierung abzulegen. Eine verbildliche Form der Emanzipation findet hier statt. In der Figur ist es von Bedeutung, dass der Befreiungs-Prozess jedes Mal aus eigener Kraft passiert.
Einen weiteren sinnlichen Aspekt bietet die Beobachtung der Menschen, wie sie auf die Kunstfigur reagieren. In der Figur provoziert „Sinnlichkeit“ das Gegenüber, indem sie teilweise demütig und unterworfen den Mensch auffordert: „Komm zu mir. Bitte fass mich an.“ Interessant war, dass sich viele Beobachter während den Performances nicht trauten die Kunstfigur anzufassen, obwohl sie mehrmals dazu aufgefordert wurden. Daraus nehme ich für mich als Erkenntnis mit, dass mein provokantes Auftreten, als Einschüchterung wahrgenommen wurde. So wurde auch das Phänomen der Angst im Wechselspiel zwischen mir als Kunstfigur und dem Betrachter ein zentrales Thema.
Hingabe ist ein weiteres Thema der Arbeit, welches dicht gekoppelt mit dem Thema der Angst steht. Hingabe bedeutet für mich auf gewisse Weise loszulassen. Diese Kontrollabgabe beinhaltet immer die Möglichkeit zuzulassen verletzt werden zu können. Diese Aspekte sehe ich vor allem in der zwischenmenschlichen Korrespondenz in verschiedenen Teilen meiner Arbeit. Sich auf die Rauminstallation einzulassen, fordert ein gewisses Vertrauen ein. Eine Berührung mit der Kunstfigur zuzulassen ebenfalls.
Themen auf einen Blick:
Sinnlichkeit, Weiblichkeit, Grenzen, Erotik, Fantasie, Sexualität, Emanzipation, Freiheit, Aggression, Angst, Genuss, Hingabe, Loslassen, Vertrauen

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